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Bomben auf Laim

Bomben auf LaimIn diesen Tagen jährt sich zum 75. Mal das Ende des Krieges. In den knapp 6 Kriegsjahren war München mehrmals schweren alliierten Fliegerangriffen ausgesetzt, von denen der Münchner Westen und auch Laim nicht verschont geblieben sind. Obwohl Laim damals noch große Freiflächen hatte und im Vergleich zu anderen Stadtteilen recht dünn besiedelt war, gab es dennoch schwere Brände und enorme Verwüstungen. Und nicht wenige Laimer mussten die teilweise massiven Bombenangriffe mit dem Leben bezahlen.

Im Verlauf des 2. Weltkrieges ist das Stadtgebiet Münchens insgesamt 74 mal von alliierten Bomberverbänden angeflogen worden. Im August 1942 erfolgte der erste Luftangriff auf München - der schwerste Bombenangriff mit der größten Zerstörung und den meisten Opfern wird von historischen Quellen mit Ende April 1944 angegeben. Aber noch bis in den April 1945 war München das Ziel englischer und amerikanischer Geschwader. So verwundert es nicht, dass in den letzten Jahren bei Bauarbeiten immer wieder Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt worden sind - auch in Laim.

Vermutlich hatten es die Piloten weniger auf den verschlafenen Stadtteil im Münchner Westen abgesehen. Ihr Ziel waren meist die Eisenbahnanlagen entlang der Landsberger Straße und die dort angesiedelten Industrie- und Umschlagplätze. Und wie viele Veteranen von RAF und USAF in ihren Erinnerungen berichteten, wurde heruntergekippt, was man an Bord hatte - und so hat auch Laim "seinen Teil abbekommen".

Bereits am 20. September 1942 war München einem schweren Fliegerangriff ausgesetzt. Die Laimer hockten in Ihren Kellern und wurden im großen und ganzen verschont. Allerdings sind alleine am Schrobenhausener Platz (heute Kirche zu den hl. 12 Aposteln) rund 300 Brandbomben niedergegangen, die sich jedoch auf einer Wiese verteilt hatten und rasch gelöscht werden konnten. Etwas weiter drüben im Westend hatte man nicht so viel Glück, dort standen rings um die Kirche Maria Heimsuchung Häuser und kleine Gewerbebetriebe in Flammen. Damals gelang es nur mit Mühe, die Kirche zu retten.

Kurz vor Weihnachten 1942 gab es einen weiteren Luftangriff, der schwere Verwüstungen im Münchner Westen angerichtet hat. Wahrscheinlich lag es am dichten Nebel, der in dieser Nacht über der Stadt lag, dass die Bomben breit gestreut von Solln bis zur Innenstadt niedergingen. So wurde der Waldfriedhof ebenso schwer getroffen, wie das Straßenbahndepot in der Westendstraße. Dort schlugen Sprengbomben ein, die auch Häuser in der Nachbarschaft zerstörten - Trümmer flogen hunderte Meter weit, das Depot brannte bis in die Morgenstunden.

Im Frühjahr 1943 wurde Laim erneut das Ziel alliierter Bomberverbände. In der Nacht vom 9. zum 10. März wurden zahlreiche Einfamilienhäuser in Friedenheim und rund um die Elsenheimer Straße durch Bombenexplosionen und nachfolgende Brände zerstört. Die Flammen konnten von den Anwohnern noch in der Nacht gelöscht werden. Allerdings wurden auch kleine Gewerbebetriebe und ein Holzlagerplatz von Brandbomben getroffen - die Holzstapel und angrenzende Gebäude standen stundenlang in Flammen und brannten vollständig nieder. Im Haus Elsenheimerstraße 31 war seinerzeit eine kleine Fabrik ansässig, die Staniolpapier herstellte - auch dieses Gebäude wurde von einer Sprengbombe getroffen und brannte aus.

Ab Ende 1943 heulten die Alarmsirenen immer öfter und die Flakscheinwerfer bohrten sich in den Münchner Nachthimmel. Mehrmals wurde die Bahnlinie an der Landsberger Straße bombardiert, der Stadtteil Laim kam jedoch vergleichsweise glimpflich davon. Bis zur schweren Bombennacht am 25. April 1944, in der größere Bomberverbände ihre tödliche Fracht wieder einmal über dem Münchner Westen entluden. Von Brand- und Sprengbomben getroffen wurde die sog. Notkirche an der Schrobenhausener Straße und auch die angrenzenden Kleingärten mit ihren vielen Holzhäuschen standen in hellen Flammen. Ebenso hatte die Faßfabrik Schmid Treffer zu verzeichnen sowie ein benachbartes Gefangenenlager, welches ebenfalls lichterloh brannte. Zum Problem wurde auch ein starker Westwind, der Brände immer wieder anfachte - Zeitzeugen berichten von einer 300 Meter langen Feuerwand hinter der Kirche, in der zahlreiche Brände gelöscht werden mussten.

Mit Fortschreiten des Krieges kamen die Bombenangriffe nicht mehr nur in der Nacht. Am 11. Juli 1944 war der Rangierbahnhof in Laim das Ziel eines schweren Angriffs, in dessen Verlauf auch Gebäude in der Agnes-Bernauer-Straße von Sprengbomben getroffen wurden. Dort waren zahlreiche zivile Opfer zu beklagen. Die Laimer kamen nicht zur Ruhe, schon am nächsten Tag folgte der nächste Angriff. Viele Spreng- und Brandbomben gingen im Areal Lautensack-/Schedelstraße nieder und zerstörten zahlreiche Häuser. Eine der Sprengbomben explodierte vor dem Keller der Hausnummer 5, während das Haus gegenüber in der Lautensackstraße 8 einen Volltreffer durchs Dach zu verzeichnen hatte und bis zum ersten Stockwerk einstürzte. In beiden Fällen konnten sich die Bewohner retten - einige Laimer, die zu der Zeit im Westend arbeiteten, kamen jedoch ums Leben.

Am Tag darauf kam es zu einem weiteren Luftangriff am helllichten Tag. Zwar gingen zahlreiche Spreng und Brandbomben über Laim nieder, der Hauptschlag erfolgte jedoch über der Münchner Innenstadt. Dennoch waren auch in Laim wieder Todesopfer zu beklagen.

Im Sommer 1944 folgten noch mehrere schwere Luftangriffe, die alle tagsüber stattfanden. Eine wirksame Luftabwehr war zu dieser Zeit schon lange nicht mehr vorhanden und die Bomberverbände konnten nahezu ungehindert agieren. Ältere Laimer berichten von 9 Bombenangriffen in 11 Tagen, denen wieder zahlreiche Menschen im Münchner Westen zum Opfer fielen.

Am 4. Oktober 1944 gab es gegen Mittag mehrere Angriffswellen alliierter Fliegerverbände, die wiederum den Westen Münchens zum Ziel hatten. Bei einem dieser Angriffe wurde neben zahlreichen Gebäuden im Laimer Osten auch noch einmal die "Notkirche" am Schrobenhausener Platz getroffen - und nahezu vollständig zerstört. Teile des Kirchendaches waren bis zu 300 Meter in die angrenzenden Gärten und Wiesen geflogen, Innenraum, Kanzel, Altar und Orgel lagen in Trümmern. Brandbomben hatten die Kirche nicht getroffen, die waren jedoch zum wiederholten Male über der Faßfabrik Schmid und dem daneben liegenden Eisenwerk Mohr niedergegangen - und hatten die Wirtschaftsgebäude in Brand gesetzt. Auch bei diesem Angriff hatten einige Laimer ihr Leben verloren.

Schon am 4. November erfolgte ein weiterer Angriff auf die Eisenbahnanlagen in Laim und viele Brand- und Sprengbomben trafen zivile Gebäude in Laim. So wurde das Haus Straubingerstraße 5 mit Wirtschafts- und Rückgebäude vollständig zerstört.

Am 17. Dezember war die Münchner Innenstadt einem schweren Luftangriff ausgesetzt von dem auch das Westend und Laim nicht verschont wurde. Mehrere schwere Sprengbomben fielen in die Wohnblocks an der Schedelstraße und Lautensackstraße und richteten schwere Schäden an, durch den Luftdruck der Explosionen hatte auch die gerade wieder notdürftig aufgebaute Kirche schweren Schaden genommen. Auch gingen viele Brandbomben in der Nähe des Gotteshauses nieder, die jedoch gelöscht werden konnten. Die Schrebergärten in der Nachbarschaft und die Holzbaracken des Gefangenenlagers hingegen wurden nun endgültig ein Raub der Flammen. Auch bei diesem Luftangriff sind zahlreiche Laimer zu Tode gekommen.

Am 7. Januar 1945 gab es gleich zwei Großangriffe auf München. Die erste Angriffswelle richtete sich in den frühen Abendstunden gegen die Münchner Innenstadt, die an diesem Tag nahezu vollständig vernichtet wurde. Hunderte Münchner verloren ihr Leben. Kurz vor Mitternacht erfolgte die zweite Welle, die sich wieder einmal über dem Münchner Westen entlud. Wieder war das Bahngelände das Ziel der alliierten Bomber, allerdings verirrten sich viele der Sprengkörper in Laimer Wohngebiete - viele Häuser in der Hogenbergstraße wurden schwer getroffen und teilweise völlig zerstört. Trotz der massiven Schäden waren dort keine Menschenleben zu beklagen. Viele Opfer gab es an diesem Tag jedoch in der Landsberger Straße, wo der sogenannte "Kinderreichenblock" von mehreren schweren Sprengbomben getroffen wurde und fast völlig zerstört wurde. Viele Menschen dort wurden in den Kellern verschüttet, über 60 von ihnen verloren ihr Leben.

Als das Ende des Krieges absehbar war, gab es für die Laimer jedoch kaum Entwarnung. Alleine im Februar 1945 gab es rund 50 Luftalarme, die die Bewohner in die Keller trieb. Viele der Luftangriffe hatten andere Stadtteile zum Ziel und liefen in Laim vergleichsweise glimpflich ab. Am 25. Februar jedoch hatte der Münchner Westen wieder einen schweren Luftangriff zu verzeichnen. Häuser und Wohnblöcke in der Weichselbaumerstraße, in der Valpichlerstraße hatten massive Treffer und wurden schwer beschädigt bzw. komplett zerstört. Schlimme Zerstörungen hatte wieder einmal die Schedelstraße zu ertragen, dort schlugen mehrere Sprengbomben nacheinander ein, zerstörten die Häuser mit der Hausnummer 6 und 8 und verschütteten die Menschen in den Luftschutzkellern - von denen viele teilweise schwer verletzt wurden, aber gerettet werden konnten. Doch Tage später, als Bergungstrupps die Trümmer räumten, wurden jedoch noch 28 Leichen gefunden. Das Haus Lautensackstraße 1 hatte schwere Brandschäden, ebenso kam es an der Agnes-Bernauer-Straße, in der Behamstraße und in der Veit-Stoß-Straße zu massiven Zerstörungen. Auch dort waren Menschen in den Tod gerissen worden.

Auch im März 1945 richteten sich mehrere Fliegerangriffe gegen München, von denen teilweise auch der Westen der Stadt betroffen war - allerdings richteten die wohl keine derart massiven Schäden an, wie die vorhergehenden Angriffswellen. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt kaum noch ein Stein auf dem anderen - für viele Münchner war das Leiden während der Bombenangriffe zur Normalität geworden.

Im April verging in München kein Tag mehr, an dem nicht Fliegeralarm gegeben wurde. Die englischen und amerikanischen Fliegerverbände verfügten über die absolute Lufthoheit und hatten keine Flak-Abwehr oder gar Angriffe deutscher Jäger zu befürchten. Nicht selten heulten 5 bis 6 mal am Tag die Sirenen, massive Luftangriffe auf München gab es am 8., 9., 11., 12., 17., 25. und 26. April - bei dem auch der Münchner Westen wieder getroffen wurde und vom Westend bis nach Pasing zahlreiche Opfer zu beklagen waren.

Insgesamt wurden auf das Stadtgebiet Münchens bei 74 Luftangriffen rund 450 Luftminen, 61.000 Sprengbomben, 142.000 Flüssigkeitsbrandbomben und 3.316.000 Stabbrandbomben abgeworfen. Hierbei wurden rund 90 % der historischen Münchener Altstadt zerstört. Das gesamte Stadtgebiet wies einen Zerstörungsgrad von rund 50 % seines Gebäudebestandes auf. Durch die alliierten Luftangriffe sind 6.632 Menschen ums Leben gekommen, 15.800 wurden verletzt. Etwa 300.000 Einwohner sind obdachlos geworden, durch die Bombardements wurden 81.500 Wohnungen im Stadtgebiet Münchens ganz oder teilweise zerstört.

Michael Schmidt

Quellen: Recherchen des Historischen Vereins Laim, Wikipedia
Foto: Bombentrichter in der Valpichlerstraße (© Historischer Verein Laim)

Eingetragen am 10.05.2020

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